// CLEAN FASHION

Unsere Kleidung schützt uns vor Hitze und Kälte, vor Wind und Nässe. Unsere Kleidung reflektiert Persönlichkeit und Geschichte. Sie ist eine Kunstform und gleichzeitig lebenswichtig. Sie gibt und Schutz und Mut. Ohne Kleidung würden wir – zu mindest in unseren Breitengraden – im Winter jämmerlich verfrieren. Doch gleichzeitig ist unsere Kleidung unglaublich gefährlich.

In einem früheren Beitrag habe ich über die verherenden Auswirkungen unserer Kleidung (im spezifischen von Polyester-Kleidung) auf die Umwelt geschrieben. Hier geht es zum Blogpost. Neben all den zahlreichen negativen Auswirkungen auf die Natur und trotz deren breitgefächerten Vorteile kann Kleidung zur Gefährdung unserer eigenen Gesundheit werden. Denn in konventioneller Massenkleidung lauert eine unsichtbare Gefahr.

Photo by Alexa Mazzarello on Unsplash

// u n s i c h t b a r e s    g i f t .

Über 7’000 verschiedene Chemikalien und Farbstoffe sind heute in der Textilindustrie im Einsatz. Die Stoffe werden in den verschiedensten Bereichen eingesetzt. Unter anderem für den Motivdruck, bei der Verarbeitung von Leder, bei der Färbung oder Bleichung von Textilien, zur Herstellung knitterfreier Textilien, zur Produktion von extra feinen Stoffen und zur Reinigung der Textilien während der Produktion [1].

Einige dieser Chemikalien sind bekannt als NPE, NP oder Amine. Sie werden breitgefächert in der Textilindustrie eingesetzt, so ist Nonylphenolethoxylate (NPE) ein Bestandteil eines Waschmittels, mit dem die Kleidung während der Produktion immer wieder gereinigt wird [2]. Nonylphenol (NP) wird in der Textilindustrie vorzugsweise als Weichmacher bei Kunststoff-Aufdrucken eingesetzt und Amine bilden das Abbauprodukt vieler Farbstoffe, die in der Produktion eingesetzt werden [3]. Doch dies ist nur ein winziger Einblick in die über 7’000 im Einsatz stehenden Stoffe der Textilindustrie.

Beinahe alle dieser 7’000 verwendeten Chemikalien und Farbstoffe sowie deren Abbauprodukte sind für den Menschen hoch gefährlich. So wird Nonylphenolethoxylate zu Nonylphenol (NP) abgebaut – ein Stoff, der für Wasserorganismen toxisch wirkt und auch für den Menschen hoch gefährlich ist. NP wirkt hormonell und steht im Verdacht unfruchtbar zu machen. Amine, das Abbauprodukt vieler Farbstoffe lösen Hautreizungen aus und gilt als krebserregend. [4] Auch andere Stoffe gelten oft als stark fruchtschädigend, krebserregend, allergieauslösend und/oder biologisch nicht abbaubar.

Wer nun diese Stoffe googelt findet schnell ein EU-weites Verbot. Nicht nur für die oben genannten Alkylphenolen, zu jener Gruppe auch der Stoff Nonylphenoletoxylate sowie natürlich dessen Abbauprodukte gehören, sondern auch für viele weitere Stoffe wie beispielsweise Azofarbstoffe. Der Einsatz von Alkylphenolen zum Beispiel ist in der europäischen Textilindustrie seit 2003 verboten. 2005 gab es ein zusätzliches EU-weites Verbot für den Verkauf von NP-haltigen Produkten. Da jedoch nur stichprobenartige Kontrollen durchgeführt werden und diese Stoffe sowie auch die meisten anderen hochgiftigen Chemikalien in Produktionsländern wie China oder Bangladesh nicht verboten sind, grenzt es an Unmöglichkeit die belastete Importware aus dem Verkehr zu ziehen. Das zeigt auch eine Untersuchung der schwedischen Naturschutzvereinigung SNF. Sie zeigt auf, dass die Chemikalien trotz Verbot durch Importe ihren Weg in den EU-Raum finden. [5]

Für alle, die sich im Detail damit befassen möchten was, in welcher Form und in welcher Menge solche Chemikalien in unserer Kleidung gelangen, dem empfehle ich die Studie „Giftige Garne“ von Greenpeace [hier zu lesen]. Sie bietet einen wunderbaren Überblick über die meist verwendeten Chemikalien, die in der Textilbranche verwendet werden sowie den giftigen Kreislauf der Klamotten mit Schwerpunkt auf deren ökologische Auswirkungen.

// a l t e r n a t i v e n .

Nun klingt das alles wieder sehr negativ und unglaublich gefährlich – was es natürlich auch ist. Ich habe mich jedoch gewollt kurz gehalten bei der Aufzählung all dieser bösen Stoffe und was sie uns antun. Zum Einen ist es immer wieder etwa das Selbe was toxische Stoffe eben anrichten können – nicht nur in unserer Kleidung. Zum anderen ist es mir genau so wichtig, dass ein Bewusstsein dafür geschafft wird, dass es auch eine Alternative gibt. Wir müssen uns nicht ein T-Shirt überziehen, von dem wir wissen, dass es unter schrecklichen Umständen und mit giftigsten Mitteln produziert wurde und das uns vielleicht noch einen hässlichen Hautausschlag beschert. Es gibt genügend Alternativen und sie reichen weit über die verpönte selbstgestrickte Ökoware hinaus!

So was sind unsere Alternativen. Zum ersten sollten wir beim Einkauf aufmerksam sein und auf das Kleingedruckte achten. Hinweise wie „knitterfrei“, „bügelfrei“ oder wenn empfohlen wird das Kleidungsstück vor dem Tragen zu waschen können dies Indizien dafür sein, dass mehr Chemikalien eingesetzt wurden, als in anderen Textilien. [6] Ausserdem wurden viele solcher Kleidungsstücke oft mit schlecht haftende Farbstoffen gefärbt, die einfacher von der Haut aufgenommen werden können. [7]

Tipp zwei: Made in Europe. Wie bereits erwähnt, sind viele dieser hoch giftigen Chemikalien in der europäischen Produktion verboten. Im Notfall also „Made in Europe“ einer aussereuropäischen Produktionsstätte vorziehen. Dies gilt natürlich nur, wenn auch wirklich keine anderen Hinweise auf Zertifizierungen o.ä. zu finden sind. (In einem solchen Moment bitte immer darüber nachdenken, ob ihr das Stück wirklich braucht und wenn ja, ob nicht zuerst noch wenigstens Recherche getätigt werden kann.)

Tipp drei: GOTS-Zertifizierung. Zertifizierungen im Allgemeinen geben einem eine gewisse Sicherheit, dass die Produktion unter gesicherten und geregelten Umständen erfolgte. Einer der bekanntesten Standards ist der Global Organic Textile Standard (GOTS). GOTS ist ein weltweites Zertifizierungssystem, für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Er definiert umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette sowie Sozialkriterien. Ob ein Label GOTS-zertifiziert ist, findet ihr auf dessen Webseite [Hier findet ihr meine eigene Liste mit nachhaltigen Labels]. In gewissen Boutiquen, die in ihrem Sortiment konsequent „korrekte Mode“ anbieten kann euch das Personal auch kompetent darüber informieren. [8]

Tipp vier: Jeans im Used-Look meiden. Der Used-Look wird durch Sandstrahlen hergestellt. Der Quarzstaub stellt ein grosses gesundheitliches Risiko für die Fabrikarbeiter dar. Als Folge erkranken viele Arbeiter an Silikose, einer gefährlichen Lungenkrankheit. Wer sich Jeans im Used-Look wünscht, soll diese doch zum Wohle der Fabrikarbeiter Second Hand kaufen. [9]

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Die Idee diesen Artikel zu schreiben, ist während meiner Recherchearbeiten für //Polyester entstanden. Es ist mir sehr wichtig, ein Thema immer von mehreren Seiten zu beleuchten. In diesem Fall wollte ich nicht nur die umweltschädlichen Aspekte der Textilindustrie, sondern auch die gesundheitlichen Risiken aufzeigen. Natürlich ist das ganze eine „Never Ending Story“. Trotzdem habe ich versucht euch in diesem Post einen breitgefächerten Überblick zu geben sowie einige Gedankenanstösse für den nächsten Shoppingtrip. Wer sich weiter mit diesem Thema befassen möchte dem empfehle ich das Buch „Saubere Sachen“ von Kirsten Brodde.

 

 

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// MEIN WEG ZU SLOW & SUSTAINABLE FASHION UND WIESO ALLES MIT DER MILAN FASHION WEEK BEGAN

Laute Musik, gertenschlanke, hochgewachsene Models, dutzende neue Kleidungsstücke, überall Fotografen, Blogger, Journalisten, Modedesigner. – Die Fashion Week Mailand.

Photo by Brunel Johnson on Unsplash

Vor exakt einem Jahr bin ich in Mailand angekommen. Ein halbes Jahr Austausch in der Stadt der Mode und ich war Feuer und Flamme für die Fashion Show. Ich kaufte mir zusammen mit Freunden mehrere Outfits, dann ging es los. Von Show zu Show. Sieben Tage lang. Jeden Tag ein neues oder abgeändertes Outfit.

Ich liebte Mode, die Leute, ja die ganze Stadt war unglaublich modisch, und ich wollte auch dazu gehören. Ich wollte noch schickere Klamotten, ich wollte sie alle und ich wollte auffallen. Für all das, gab ich einen Haufen Geld aus (natürlich nicht mehr als für richtige, nachhaltige und faire Mode). Ich warf Geld aus dem Fenster für Kleidungsstücke, die qualitativ nichts wert sind und zudem unter haarsträubenden Bedingungen gefertigt wurden. Trotzdem war ich nicht glücklich. Teilweise habe ich die Kleider nach der Fashion Show kein einziges Mal mehr angezogen*. Ich war unzufrieden und ich dazu hatte ich schlechtes Gewissen. Bei jedem Kleidungsstück, dass ich mir neu kaufte erlebte ich Schuldgefühle. Irgendwann war ich richtig angewidert, wenn ich in ein Mainstream Einkaufszentrum ging. Angewidert von den überfüllten Kleiderstangen, den Wühltischen. Ich konnte es nicht mehr sehen. Alles war zu viel.

Die grossen Fast Fashion Ketten wie Zara und &other stories begann ich zu meiden. Ich probierte es in Boutiquen, vielleicht konnte ich mich mit Kleidungsstücken aus überteuerten Boutiquen in die modebewussten trendigen Mailänderin verwandeln. Doch die Zeit in Mailand neigte sich meinem Ende zu und ich wurde nicht glücklich.

Gleichzeitig zu meiner nicht enden wollenden Suche hat mich das Leben in Italien dazu angeregt, mich mehr mit Nachhaltigkeit auseinander zu setzen. So kam es, dass das Thema Nachhaltigkeit einen immer höheren Stellenwert in meinem Leben erhielt. Nach und nach wurde Nachhaltigkeit nicht nur in der Ernährung, sondern auch in vielen weiteren Lebensbereichen wichtig. Bis ich schliesslich Anfang Sommer 2017 auf das Thema nachhaltige Mode stiess.

Vieles hat sich verändert seither. Ich habe mich von der Fast Fashion Mode abgewandt, möchte nur noch Slow Fashion, am liebsten nachhaltig und fair.

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Ich liebe die Mode noch heute, vielleicht mehr denn je, aber anders. Mode ist für mich nun eine Ausdrucksform. Eine Kunst. Die Kunst seine Persönlichkeit und sein Innerstes, seine Gefühle auszudrücken. Heute stehe ich genauso auf Shows, schicke Kleidungsstücke und faszinierende Stoffe und Schnitte. Jedoch ohne all diese Trends. Ich möchte Kleider, die ich länger tragen kann, die nicht in oder out sind. Meine Garderobe (oder auf jeden Fall der Zuwachs) sollte zudem keine Verschmutzung, Vergiftung, Rohstoffausbeutung oder andere umwelt- oder gesundheitsschädliche Folgen mit sich ziehen. Ich möchte mich gut fühlen. Kein schlechtes Gewissen haben. (Hier könnt ihr sehen wo ich nun einkaufen gehe, wenn ich mal was brauche) Ich möchte zeigen, dass ein nachhaltiges Kleidungsstück nicht nur diese Woche ein Eyecatcher sein kann, sondern über Jahre.

Weniger, dafür qualitativ hochwertiger und langlebiger. Umwelt- und gesundheitstechnisch bedenkenlos. Das ist meine neue Regel, die mich zufrieden und glücklich macht.

Minimalistischer Schnitt. Hochwertiges Material. Textilien in weiss, Erdtönen, schwarz und grau. Eine weisse Kleiderstange mit Pullover, Hosen, Mantel und zwei Paar Schuhen. Eine Handtasche. Stilsicher. – Meine neue Garderobe.

 

 

 

*Diese Stücke habe ich immer noch und werde ich ausserdem in einem Monat an einem Flohmarkt in der Schweiz verkaufen.

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