// MEIN WEG ZU SLOW & SUSTAINABLE FASHION UND WIESO ALLES MIT DER MILAN FASHION WEEK BEGAN

Laute Musik, gertenschlanke, hochgewachsene Models, dutzende neue Kleidungsstücke, überall Fotografen, Blogger, Journalisten, Modedesigner. – Die Fashion Week Mailand.

Photo by Brunel Johnson on Unsplash

Vor exakt einem Jahr bin ich in Mailand angekommen. Ein halbes Jahr Austausch in der Stadt der Mode und ich war Feuer und Flamme für die Fashion Show. Ich kaufte mir zusammen mit Freunden mehrere Outfits, dann ging es los. Von Show zu Show. Sieben Tage lang. Jeden Tag ein neues oder abgeändertes Outfit.

Ich liebte Mode, die Leute, ja die ganze Stadt war unglaublich modisch, und ich wollte auch dazu gehören. Ich wollte noch schickere Klamotten, ich wollte sie alle und ich wollte auffallen. Für all das, gab ich einen Haufen Geld aus (natürlich nicht mehr als für richtige, nachhaltige und faire Mode). Ich warf Geld aus dem Fenster für Kleidungsstücke, die qualitativ nichts wert sind und zudem unter haarsträubenden Bedingungen gefertigt wurden. Trotzdem war ich nicht glücklich. Teilweise habe ich die Kleider nach der Fashion Show kein einziges Mal mehr angezogen*. Ich war unzufrieden und ich dazu hatte ich schlechtes Gewissen. Bei jedem Kleidungsstück, dass ich mir neu kaufte erlebte ich Schuldgefühle. Irgendwann war ich richtig angewidert, wenn ich in ein Mainstream Einkaufszentrum ging. Angewidert von den überfüllten Kleiderstangen, den Wühltischen. Ich konnte es nicht mehr sehen. Alles war zu viel.

Die grossen Fast Fashion Ketten wie Zara und &other stories begann ich zu meiden. Ich probierte es in Boutiquen, vielleicht konnte ich mich mit Kleidungsstücken aus überteuerten Boutiquen in die modebewussten trendigen Mailänderin verwandeln. Doch die Zeit in Mailand neigte sich meinem Ende zu und ich wurde nicht glücklich.

Gleichzeitig zu meiner nicht enden wollenden Suche hat mich das Leben in Italien dazu angeregt, mich mehr mit Nachhaltigkeit auseinander zu setzen. So kam es, dass das Thema Nachhaltigkeit einen immer höheren Stellenwert in meinem Leben erhielt. Nach und nach wurde Nachhaltigkeit nicht nur in der Ernährung, sondern auch in vielen weiteren Lebensbereichen wichtig. Bis ich schliesslich Anfang Sommer 2017 auf das Thema nachhaltige Mode stiess.

Vieles hat sich verändert seither. Ich habe mich von der Fast Fashion Mode abgewandt, möchte nur noch Slow Fashion, am liebsten nachhaltig und fair.

***

Photo on Unsplash

Ich liebe die Mode noch heute, vielleicht mehr denn je, aber anders. Mode ist für mich nun eine Ausdrucksform. Eine Kunst. Die Kunst seine Persönlichkeit und sein Innerstes, seine Gefühle auszudrücken. Heute stehe ich genauso auf Shows, schicke Kleidungsstücke und faszinierende Stoffe und Schnitte. Jedoch ohne all diese Trends. Ich möchte Kleider, die ich länger tragen kann, die nicht in oder out sind. Meine Garderobe (oder auf jeden Fall der Zuwachs) sollte zudem keine Verschmutzung, Vergiftung, Rohstoffausbeutung oder andere umwelt- oder gesundheitsschädliche Folgen mit sich ziehen. Ich möchte mich gut fühlen. Kein schlechtes Gewissen haben. (Hier könnt ihr sehen wo ich nun einkaufen gehe, wenn ich mal was brauche) Ich möchte zeigen, dass ein nachhaltiges Kleidungsstück nicht nur diese Woche ein Eyecatcher sein kann, sondern über Jahre.

Weniger, dafür qualitativ hochwertiger und langlebiger. Umwelt- und gesundheitstechnisch bedenkenlos. Das ist meine neue Regel, die mich zufrieden und glücklich macht.

Minimalistischer Schnitt. Hochwertiges Material. Textilien in weiss, Erdtönen, schwarz und grau. Eine weisse Kleiderstange mit Pullover, Hosen, Mantel und zwei Paar Schuhen. Eine Handtasche. Stilsicher. – Meine neue Garderobe.

 

 

 

*Diese Stücke habe ich immer noch und werde ich ausserdem in einem Monat an einem Flohmarkt in der Schweiz verkaufen.

Weiterlesen

// POLYESTER: IT’S NOT A HORROR STORY, IT’S THE FACTS

Er befindet sich an einem windstillen Ort, mitten im Pazifik. Seine Fläche kommt vermutlich jener von Mitteleuropa gleich. Und geformt wird der achte Kontinent nicht aus Land, sondern aus über 80 Millionen Tonnen Müll, sogenannter Wohlstandsmüll.

/ m i k r o p l a s t i k .

Was hat dieser Müllberg mitten im Pazifik mit unserer Kleidung zu tun? Nun, nebst falsch entsorgtem Touristenmüll und Autoreifen bestehen grosse Teile (man schätzt 15 – 31 %) dieser Abfallberge aus Plastikpartikeln. Genauer gesagt aus Plastikpartikeln von synthetischer Kleidung, sogenanntem Mikroplastik. Obwohl ein grosser Teil des Abfalles aus Afrika und Asien stammt, tragen auch wir mit jedem Waschgang zur Verschmutzung der Weltmeere bei.

Während dem Waschen entsteht Reibung, was zur Folge hat, dass pro Waschgang (unabhängig von der Temperatur) ca. 100’000 Fasern pro Kilogramm Wäsche ins Abwasser gelangen. Moderne Waschmaschinenfilter und sogar die Filter der Kläranlagen sind zu wenig fortgeschritten, um alle diese Partikel raus zu filtern. Denn die Partikel sind mit einer Grösse von weniger als 5 mm zu klein. Dies führt dazu, dass der Mikroplastik zuerst in unseren Flüssen und Seen und schlussendlich im Meer landet. Mit verheerenden Auswirkungen:

Eine Studie der Universität Basel fand heraus, das der Rhein jährlich 10 Tonnen Mikroplastik in die Nordsee transportiert. Ein grosser Teil davon sind Kunststofffasern, wie sie in der Textilindustrie verwendet werden. Weiter fanden Forscher in über zwei Drittel von 400 untersuchten Fischen aus der Nord- und Ostsee  Mikroplastik und in acht von zehn Wasservögeln, die in heimischen (schweizerischen) Gewässern verenden. Auch die Arktis sowie die Tiefsee hat die Verschmutzung bereits erreicht.

Synthetische Kleidung ist heutzutage weit verbreitet, rund 60% aller hergestellten Kleidungsstücke besteht aus Polyester, Nylon oder Polyacryl. In den Jahren 2000 – 2016 hat sich die Verwendung von Polyester in der Textilindustrie von 8,3 Tonnen auf 21,3 Tonnen vervielfacht. Wohl jeder von uns, mich eingeschlossen, besitzt Zuhause ein oder mehrere synthetische Kleidungsstücke und wäscht diese regelmässig.

/ t a k e   a c t i o n .

Angesichts dieser Faktenlage wird schnell klar, was zu tun ist: Möglichst auf den Konsum von synthetischen Produkten verzichten. Ist dies nicht möglich, sollte auf recycelte Materialien geachtet werden. Ansonsten sind Naturprodukte wie Biobaumwolle klar zu bevorzugen. Die beste und langfristig einzig tragbare Lösung ist und bleibt jedoch ein bewusster, minimalistischer Konsum, bei dem auf gute Qualität geachtet wird. Wenn wir nur Kleidungsstücke kaufen, die uns sehr gut gefallen und bei denen wir uns vorstellen können, sie auch in ein paar Jahren noch zu tragen, so ist sogar laut Greenpeace der Rohstoff gar nicht mehr so entscheidend. Wichtig ist, dass das Kleidungsstück Wertschätzung erfährt und die Langlebigkeit im Zentrum steht.

„Buy less, choose well, make it last.“ – Vivienne Westwood

 

Photo by Caleb George and Paul Morris on Unsplash

Quellen: Greenpeace Österreich, Beobachter, Spiegel Online, Welt.de, Sugru auf Medium, Slow Fashion – Sustainable Style, Environmental Science & Technology

Weiterlesen